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Nicht nur in Bayern kämpft man gegen Verrohung. 

 

Nanny des Monats April 2010:
Bayerische Landeszentrale für neue Medien 

„Eine Zensur findet nicht statt“, so hat man einst leichtfertig ins Grundgesetz geschrieben, 1948/49, noch ganz beeindruckt von Erfahrungen, welche man gerade mit umfassender staatlicher Fürsorge hatte sammeln dürfen. Doch glücklicherweise sind sechzig Jahre später längst Wege gefunden worden, das Verbot staatlicher Bevormundung beim Medienkonsum der dummen Untertanen zu umgehen: Zensur heißt in der bundesdeutschen Biedermeierrepublik „Urheberrechtschutz“, „Markenschutz“, „Persönlichkeitsrechtschutz“ und natürlich immer wieder „Jugendschutz“.

Da man aber selbst damit der Fernsehübertragung abstruser Prügelwettkämpfe zwischen 23 und 6 Uhr nicht beikam, hast Du, geschätzte Bayerische Landeszentrale für neue Medien (genauer: hat Dein Fernsehausschuß), besondere Kreativität walten lassen: Das Versenden allerlei „Ultimate“, „Extreme“ und ähnlicher „Fights“ hast Du dem seit langem um Zuschauer wie anscheinend auch Sendbarem ringenden Deutschen Sportfernsehen untersagt mit Hilfe der bayerischen Verfassung. Wie bitte? Ja, denn dort ist festgelegt, daß sich Rundfunk in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft befinden muß. Dies wird gewährleistet durch die Landeszentrale, welche folglich das Programm in Bayern lizenzierter Sender Sendung für Sendung genehmigen muß – oder auch ganz einfach verbieten kann. Wenn das Adenauer noch erlebt hätte!

Natürlich lautet die Begründung offiziell, es entspräche nicht dem „Leitbild eines öffentlich-rechtlich getragenen Rundfunks“, wenn gezeigt würde, wie irgendwelche, in der Regel durchtätowierten und kurz- bis kahlgeschorenen Muskelmänner in knappen Höschen aufeinander eindreschen, bis einer liegenbleibt. Und gern noch über diesen Moment hinaus. Ganz ohne Regeln, zumindest ohne ernsthaften, wirksamen. Also so ähnlich wie es auf unseren Finanzmärkten zugeht (mit dem feinen Unterschied, daß dort meist weit mehr als nur einer auf der Strecke bleibt).

Dank dieses Deines Wirkens, Bayerische Landeszentrale für neue Medien, ist die Gefahr gebannt, das Böse besiegt. Durch Dein Sendeverbot, durch welches manch einer von derartigen Wettkämpfen überhaupt erst erfahren haben dürfte, wird die Attraktivität solcher Prügelorgien zweifelsohne enorm sinken. Und erst recht das Interesse daran, insbesondere von Jugendlichen. Denen es völlig unmöglich sein dürfte, an entsprechende Aufnahmen zu kommen – vermutlich schon deshalb, weil die Schwarzmarktpreise für Videos dank des Fernsehverbots steigen könnten.

Man stelle sich vor, was man alles tun könnte, womöglich sogar tun müßte, um der allgemeinen Verrohung zu begegnen: Sichere Arbeitsplätze schaffen zum Beispiel, und zwar in ausreichender Zahl. Oder einen menschenwürdigen Umgang mit Arbeitslosen einführen statt sie, um die Arbeitslosenstatistik zu fälschen, von einer unsinnigen „Maßnahme“ in die nächste zu schubsen. Anständiges Benehmen gegenüber Arbeitnehmern statt sie lediglich als lästige Kostenfaktoren zu betrachten, welche für ihre Arbeit frecherweise auch noch Geld wollen. Ehrliches Auftreten von Politikern. Oder gar von Managern. Die Schaffung einer Gesellschaft, in der Solidarität und Hilfe für die Schwachen das Ideal bilden statt Ellbogenmentalität und Profitmaximierung um jeden Preis. Wie lang könnte man diese Liste fortsetzen! Gut, daß es dessen nicht bedarf. Denn das Problem der Verrohung haben wir ja nun gelöst: Durch noch ein segensreiches Verbot.

 

 

 

 

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